
Wer einen Yaesu FT-991A besitzt, weiß seine Vielseitigkeit zu schätzen. Kurzwelle, 6 Meter, 2 Meter und 70 Zentimeter in einem Gerät – damit gehört der FT-991A seit Jahren zu den beliebtesten Allround-Transceivern im Amateurfunk.
Weniger beliebt ist allerdings die Speicherverwaltung. Direkt am Gerät größere Änderungen vorzunehmen, kostet Zeit und Geduld. Viele Funkamateure haben sich deshalb schon lange eine Unterstützung durch CHIRP gewünscht. Genau daraus ist dieses Projekt entstanden.
Warum überhaupt ein neuer CHIRP-Treiber?
CHIRP unterstützt eine beeindruckende Anzahl von Funkgeräten. Beim FT-991A gibt es jedoch eine Besonderheit: Yaesu stellt keinen klassischen Clone-Modus zur Verfügung, wie ihn CHIRP normalerweise verwendet. Genau deshalb existierte bislang keine vollständige Unterstützung.
Anstatt auf undokumentierte Tricks zurückzugreifen, verfolgt dieses Projekt einen anderen Weg. Der Treiber kommuniziert ausschließlich über die dokumentierte CAT-Schnittstelle und erstellt daraus ein CHIRP-Image. So lassen sich Speicherkanäle und zahlreiche Geräteeinstellungen bequem am Rechner bearbeiten.
Das Ergebnis fühlt sich für den Anwender wie ein normaler CHIRP-Treiber an – technisch steckt jedoch deutlich mehr dahinter.
Was der Treiber bereits kann
Auch wenn sich das Projekt noch in der Entwicklung befindet, funktioniert bereits ein großer Teil der gewünschten Funktionen.
Unter anderem können aktuell:
- Speicherkanäle ausgelesen werden
- PMS-Speicher übernommen werden
- mehr als 150 Menüeinstellungen gesichert werden
- komplette CHIRP-Images erstellt werden
- Speicherlisten als CSV exportiert werden
- Einstellungen offline bearbeitet werden
- unterstützte Änderungen wieder zurück auf das Funkgerät übertragen werden
Besonders angenehm ist dabei der Arbeitsablauf: Zunächst werden alle Daten vom Funkgerät gelesen. Anschließend kann das Gerät getrennt werden und sämtliche Änderungen erfolgen in Ruhe am Computer. Erst wenn alles fertig ist, werden die gewünschten Änderungen wieder auf den FT-991A übertragen.
Sicherheit statt Experimente
Gerade beim Schreiben auf ein Funkgerät gilt: Lieber etwas vorsichtiger als ein beschädigter Speicher.
Deshalb verwendet der Treiber ausschließlich dokumentierte CAT-Befehle. Auf undokumentierte Schreibzugriffe wurde bewusst verzichtet. Wo Yaesu über die CAT-Schnittstelle Grenzen setzt, akzeptiert der Treiber diese auch. Das macht die Entwicklung zwar aufwendiger, sorgt aber für ein deutlich besser nachvollziehbares und sichereres Verhalten.
Ein Projekt für die Community
Open Source lebt vom Mitmachen.
Da es zahlreiche Firmwarestände und unterschiedliche Gerätekonfigurationen gibt, ist Feedback aus der Praxis besonders wertvoll. Wer einen FT-991A besitzt, kann das Projekt bereits heute ausprobieren und mit Tests, Fehlerberichten oder Verbesserungsvorschlägen unterstützen.
Je mehr unterschiedliche Geräte getestet werden, desto stabiler und vollständiger wird der Treiber.
Auch Entwickler sind natürlich herzlich eingeladen, sich mit Pull Requests oder eigenen Ideen einzubringen.
Installation
Die Installation ist bewusst unkompliziert gehalten. Das Repository kann direkt von GitHub geklont oder als ZIP-Datei heruntergeladen werden. Für Linux steht zusätzlich ein Installationsskript bereit, das den Treiber automatisch in CHIRP integriert.
Eine ausführliche Dokumentation erklärt außerdem Installation, Bedienung, bekannte Einschränkungen und den technischen Hintergrund.
Dieses Projekt soll eine Lücke schließen, die viele FT-991A-Besitzer seit Jahren kennen. Ziel ist es nicht, bestehende Software zu ersetzen, sondern eine offene und transparente Lösung bereitzustellen, die sich möglichst nahtlos in den gewohnten CHIRP-Workflow integriert.
Noch ist nicht jede Funktion umgesetzt, doch der aktuelle Entwicklungsstand zeigt bereits, was mit der dokumentierten CAT-Schnittstelle des FT-991A möglich ist.
Wer das Projekt ausprobieren oder sich an der Weiterentwicklung beteiligen möchte, findet den Quellcode auf GitHub:
GitHub:
https://github.com/g3orgs/FT-991A-YAESU-chirp
Über Feedback, Tester und Mitstreiter aus der Amateurfunk-Community freue ich mich jederzeit. Gemeinsam lässt sich die Unterstützung des FT-991A Stück für Stück weiter verbessern.