persönliche Gedanken zur Situation im Land…

Sie werden sich wünschen, wir wären politikverdrossen…
… so schallt es im Moment aus einigen der wichtigsten Politblogs im Netz. Auch bei uns im Blog ist diese Meinung an der Tagesordnung. Gerade musste ich wieder ein paar fiese Artikel zum Thema lesen, die mich seit langer Zeit einmal wieder extrem aufgeregt haben.
Seit nun fast zwei Dekaden bin ich im Netz unterwegs, einige meiner Freunde bezeichnen mich als „aktiven Netzwerkforscher“ oder Schlimmeres. Auf jeden Fall kenne ich mich sicher besser aus, als der eine oder andere Gelegenheitsnutzer. Meine Generation hat schon viele Dinge im Netz kommen und gehen gesehen, sei es die Anfänge von Filesharing mit Napster oder als Google noch ein Geheimtipp war, da es chique war, über av.com oder metacrawler zu suchen. Auch die Retro Welle von WEB 2.0 ist für mich nur eine Mode, die kommt und wieder geht. Oder was ist eigentlich WEB 2.0 ? Warum nutzt kaum noch jemand IRC, obwohl da weit mehr als 140 Zeichen gehen?
Twitter kennt sicher jeder, aber wer weiß denn eigentlich was es ist? Egal, Haupsache ich bin dabei, weil es angesagt ist. So auch diverse Politiker, die natürlich ihre Medienberater für solche Aufgaben haben, da sie selbst Angst vor dem Netz haben. Ja, Angst! Anders lassen sich die Einschüchterungsversuche diverser Volksvertreter nicht erklären. Los, lasst uns noch ein paar Bücher verbrennen, denn so etwas oder ähnliches muss doch das Netz sein. Denn deren Kinder sagen ja, man findet im Netz alles, was man will. Das Netz ist mehr als nur ein IP-basiertes Datennetz , was man benutzt, um mit jemanden zu kommunizieren. Das Netz lebt, und es lebt durch seine Nutzer und Dienste. Also was soll der Mist, Herr Müntefering: „Die SPD ist und bleibt internetfit!“. Glaub ich sofort ! In der ZEIT musste ich lesen, wie Frau von der Leyen im Interview mit Franziska Heine unsere Generation als unwichtig denunzierte.
von der Leyen: „Das ist lebendige Demokratie. Ich meine: 134.000 Zeichner, das ist schon etwas. Aber es gibt 40 Millionen Internetnutzer. Jetzt beginnt die Phase, in der man erkennen wird, ob Sie nachhaltig dranbleiben. Politik besteht aus Meinungsäußerung, aber danach muss man sich Mehrheiten suchen und auch Alternativlösungen anbieten. Das ist das Entscheidende.“
Aha, und genau das hat sie nun geschafft, denn wie so oft gilt: gemeinsame Feinde verbünden.
von der Leyen: „Ich kann das Gefühl schon nachvollziehen, aber eine Onlinepetition ist mit einem Klick unterschrieben … „
Sie war anscheinend nicht auf dem Petitionsserver, der chronisch überlastet war, und man schon viel Zeit brauchte, um überhaupt mal etwas HTML ohne 404er Meldung zu bekommen. Weiter ging es dann nur nach Anlegen eines bekloppten Nutzerkontos mit Zwangsaccountname, welches man sich ganz sicher für die nächste Petition wunderbar merken kann und dann konnte man unterschreiben. Das werden sich anscheinend Internetausdrucker ausgedacht haben, damit man es anheften kann. Und diesen Zustand nennt Sie mit einem Klick? Was hat Sie denn nun mit Ihren Populismus erreicht? Wohl nicht das, was sie sich gewünscht hätte, als Mutter der Nation. Ihr Vorgehen wurde schon vor einiger Zeit gut dokumentiert, dazu auch ein älterer Beitrag „PR-Kampagnen gezahlt durch den Steuerzahler“:
Um das ganze Ausmaß der Inkompetentz zu verdeutlichen, darf auch mal was gehört werden.
„Kopf der Woche auf radioeins Zensursula“: Hier fehlen mir die Worte.
Ich vergleiche es gerne mit einer mir schon häufiger passierten Situation. Ein mir unbekannter Benutzer XY im realen Leben schwört mir, es passieren unheimliche Dinge an seinem Rechner. bla bla bla.. Dann Bitte ich Ihn höflich, mir zu zeigen, was er denn gerade gemacht hatte, um mich in seine Situation hinein zu denken. In Wirklichkeit richte ich meine Augen auf die Hand, die die Maus betätigt. Ja es ist ein Zwang und ich kann nicht anders, aber wenn man eine Maus mit spitzen Fingern führt, sehe ich das Problem nicht an der Soft oder Hardware. So ähnlich geht es mir wenn Politiker von Sachen reden, wo die Vokabeln, die sie benutzen einen leichten Akzent haben, weil sie die Bedeutung des Wortes, was sie benutzen, nicht mal ansatzweise verstehen.
Lieber Politik, vergesst den Versuch, Meinungsbildung im Internet zu steuern, wie ihr es an den passiven Volksempfängern der Nation (am Wahlvieh) durch ein paar nette Werbespots schafft, denn
wer im Netz sich seine politische Meinung bildet, tut dies im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten und nicht mit bunten Werbebannern, wo er draufdrückt, weil er schon das zweite mal am Tag eine Reise oder ein Traumauto gewonnen hat. Das dies so ist, kann ich an unserer Blogauswertung sehen, als man unbedingt einen Artikel zum Thema „Fritz!Box auf alternativen DNS umstellen“ so oft besuchen musste, dass ich schon in den Logs des Webservers nach dem Übeltäter der vielen Zugriffe suchte. Da fallen mir doch die von meinem geliebten Kabarettist Volker Pispers gesagten Worte wieder ein:
Zwei Fragen hätte ich noch zum Schluss:
1.)Wie bekommt Frau v.d.L auf jedem Bild, was man sieht, ihre aufwändige Frisur jeden Tag exakt gleich hin?
2.)Wer hat schon eine Stoppschild Seite, von der die ganze Nation spricht, gesehen? Irgendwie glaube ich noch nicht an deren Existenz.
IanG

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